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Biosphärenreservat Pfälzerwald (südlicher Teil) e. V.
Bobenthal

18.05.2022

Einem Kohlmeisenpaar beim Nestbau zugeschaut

News aus dem Nistkasten

Ende März konnten wir beobachten, dass ein Kohlmeisenpaar ein auffälliges Interesse für einen der Nistkästen hatte, die an und um unser Haus aufgehängt sind. Das besondere an diesem speziellen Kasten ist, dass dieser mit einer kleinen WLAN-Kamera ausgestattet ist. Dies ermöglicht es uns die Meisen bei Nestbau und Brut zu beobachten.

Anfang April wurde es dann mit der Absicht ein Nest zu bauen ernst, das Meisenpaar schafft das erste Baumaterial in den Kasten.

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04.04.2022
Am 04. April konnte man sehen, dass die Meisen schon fleißig Moos für das Nest angeflogen hatten.

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Wir hatten allerdings den Eindruck, dass die kalten Nächte (bis -4 °C) und die verregneten und windigen Tage den Nestbau ein bisschen ausbremsten, die Meisen flogen nicht mehr so häufig den Kasten an.

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09.04.2022
Nachdem in den letzten Tagen als Baumaterial immer nur Moos eingeflogen wurde, können wir sehen, dass jetzt vermehrt fasriges Material herbeigeschafft wird. Wir vermuten, dass es sich um Tierhaare handelt. In der Nähe stehen Pferde, die könnten unter Umständen das eine oder andere Haar gelassen haben. Es könnten aber auch Pflanzenfasern sein. Letztendlich wird sich das erst aufklären wenn wir im Herbst den Kasten öffnen und reinigen.

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10.04.2022
Schon einen Tag später war das erste Ei gelegt.

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15.04.2022
Das Nest wurde mit weiteren Fasern und auch Federn weich ausgepolstert und jeden Tag ein weiteres Ei dazugelegt.

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17.04.2022
Zwei Tage später ist das Nest mit mittlerweile 8 Eiern schon ziemlich voll.
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Wir können auch sehen, dass jetzt fast die ganze Zeit über ein Vogel die Eier warm hält.
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Brüten ist übrigens nicht, wie man vielleicht denkt, einfach nur draufhocken und warmhalten. Der Vogel ist alle paar Minuten am drehen und umsortieren der Eier. Auch ist am Nest selbst immer was zu zuppeln und gefühlt jede Faser mindestens dreimal zu drehen bevor sie am richtigen Platz liegt. Ab und zu wird aber auch einfach mal ein Nickerchen gemacht :-)

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28.04.2022
Der erste Jungvogel ist ausgeschlüpft. Jetzt kommt wieder mehr Betrieb in den Kasten, der kleine will nämlich nicht nur warm gehalten werden, sondern auch was fressen.

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Nicht ganz eine Stunde später kommt dann das nächste Geschwisterchen dazu.

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29.04.2022
Am nächsten Tag zählen wir dann schon 5 geschlüpfte Jungvögel die Hunger haben und gefüttert werden wollen.

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02.05.2022
Bis auf ein Ei sind alle geschlüpft.

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09.05.2022
Nach einer hektischen Woche in der die Eltern quasi im Minutentakt Futter für die Kleinen herbeifliegen, sehen diese doch schon ganz propper aus. Der helle Punkt am linken Bildrand ist übrigens das Sonnenlicht das durch das Einflugloch auf der rechten Seite in den Kasten hineinfällt.

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10.05.2022
So sieht es übrigens aus wenn ein Elterntier mit Futter in den Kasten fliegt, nur aufgerissene Schnäbel die Hunger haben. Beim Durchzählen müssen wir feststellen, dass nur noch 6 Jungtiere im Nest sind.

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16.05.2022
Eine knappe Woche später sind noch 5 Jungvögel übrig. Diese sehen, mittlerweile aber ohne Flaum und mit Federn, schon recht flugtauglich aus.

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17.05.2022
Das sehen die Jungvögel übrigens ganz genauso. Schon seit einiger Zeit versuchen sie zum Einflugloch hochzuhüpfen und auszufliegen. Nach knapp 3 Wochen im Nest ist es dann soweit. Der erste Vogel schafft es hoch bis zum Einflugloch und flattert dann mehr oder weniger koordiniert in den Rosenstrauch.

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Noch kurz überlegen – soll ich oder soll ich nicht?

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Endlich frei :-)

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Die Technik:

Als Kamera dient uns ein ESP32-CAM Mikrocontroller-Modul. Dies ist mit einem 3,3V Spannungswandler im Deckel des Nistkastens eingebaut. Der ESP32 hängt sich bei uns ins WLAN, startet einen Webserver-Dienst und ermöglicht so den Zugriff auf das Kamerabild mit PC, Handy oder Tablet. Um die Reichweite und Qualität der WLAN-Verbindung zu erhöhen, haben wir eine WLAN-Antenne an das ESP32-Modul angeschlossen.
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Alles ist aber im oberen Bereich des Nistkastens, über dem eigentlichen Brutraum eingebaut und somit auch gut vor dem Wetter geschützt. Die Elektronik hatten wir auch über Winter im Kasten gelassen, das Konzept scheint also einigermaßen robust und wetterfest zu sein. Das Kameramodul verfügt über eine Leuchtdiode die manuell über das Webfrontend eingeschaltet werden kann. Da wir aber befürchteten, dass ein andauerndes Ein- und Ausschalten der Beleuchtung zu störend für die Vögel sein könnte, haben wir die LED eigentlich nur ganz selten einmal zugeschaltet. Bei Versuchen im Vorfeld haben wir festgestellt, dass ein heller Brutraum und eine voll aufgezogene Vorverstärkung der Kamera zwar ein körniges, aber ausreichend helles Bild liefert. Das Innere des Nistkastens wurde von uns daher mit einer ungiftigen Kreidefarbe weiß angestrichen. Das Einflugloch haben wir nach Osten ausgerichtet. So reicht das einfallende Licht und das Streulicht der hellen Wände für die Kamera aus und eine zusätzliche Beleuchtung ist nicht notwendig.

:mh



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